Jüdische Sozialethik
Über Inhalte aus dem Judentum sprechen
ca. 12 min
Das Judentum ist mehr als Antisemitismus, Holocaust, Israel und religiöse Bräuche.
Die jüdische Sozialethik bietet Gelegenheit, um beispielsweise mehr über Themen wie Streiten, Empathie und Solidarität zu lernen.
Mirna Funk
Deutsche Schriftstellerin & Journalistin
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Vielleicht steigen wir mal beim Thema Streitbarkeit ein. Was lehrt uns da das Judentum?
Also es gibt einen Begriff dafür im Hebräischen, das ist das Wort Machloket, das heißt einfach Streit, aber im Judentum ist Streit eben ein bisschen mehr, als wir es hier vielleicht in unserer Kultur haben, in einer christlichen Kultur. Beim jüdischen Streit geht es nicht um das Recht, es geht nicht darum, dass einer am Ende aufgrund seiner Argumente siegt oder gewonnen hat, sondern beim jüdischen Streit geht es um den Streit als solchen, es geht um das Streiten und die Freude am Streiten.
Die Streitkultur!
Und es geht um das Streiten, wirklich auch den Streit zwischen zwei unterschiedlichen Positionen. Und durch diesen Streit kommt man der Wahrheit ein Stück näher.
Und am Ende geht es dann, am Ende dieses Streits oder eines Streits geht es eben nicht darum, dass zwei Parteien auseinander gehen und der eine hat den Eindruck, ich habe in irgendeiner Form verloren, ich habe nicht genügend Argumente geliefert und der andere ist der Sieger – also dieses schwarz-weiß Denken – sondern es geht um die Debatte und um den Austausch, um die Kommunikation an sich.
Genau. Und die soll Freude machen, die kann aber auch hitzig werden, ohne, dass man danach verfeindet ist. Und durch diese Debatte, durch diesen Streit selbst, durch dieses Gespräch, die Kommunikation, entsteht ein neuer Blick für jeden einzelnen der Teilnehmer dieses Streits auf das einzelne Thema, vielleicht auch auf andere Themen, auf sich selbst. Und wie ich schon sagte, man soll so der Wahrheit ein Stück näherkommen. Die Wahrheit findet sozusagen nicht entweder auf der einen oder auf der anderen Seite statt, sondern sie findet statt in der Bewegung zwischen den zwei Polen.
Interviewauszug mit Mirna Funk, Autorin des Buches „Von Juden lernen“
01
Inwiefern können wir heute von Konzepten wie Tikkun Olam und Machloket lernen?
02
Siehst du aktuelle Anknüpfungspunkte in deinem Alltag?
Hier findest du mehr zu diesem Thema